Der Molkenmarkt ist der älteste Platz Berlins und ein Ort im spürbaren Umbruch. In unmittelbarer Nähe zum Nikolaiviertel war das Areal seit den 1960er Jahren vor allem ein Sinnbild der autogerechten Stadt. Heute ist der ehemalige Verkehrsknotenpunkt eine der interessantesten aber auch unübersichtlichsten Baustellen der Stadtmitte. Zur Zeit ist er dominiert von archäologischen Grabungen, in den nächsten Jahren entsteht hier ein neues Stadtquartier. Wie dieses aussehen wird, ist Gegenstand intensiver Debatten, auf der einen Seite steht der Wunsch nach historischer Rekonstruktion auf der anderen soziale und ökologische Zukunftsvisionen. Im Kurs entwickeln die Studierenden ein Konzept für ein analoges Orientierungssystem für diesen Übergangsraum. Wir stellen uns die Fragen: Was ist vor Ort sichtbar? Was erschließt sich erst durch Vermittlung? Und wie beeinflusst Gestaltung unsere Wahrnehmung von Stadt? Analyse, Konzept und räumliche Strategie Grundlage des Entwurfs ist die Analyse vor Ort. Umgebung, Wegebeziehungen, Blickachsen, Verweilorte und Entscheidungspunkte werden untersucht und in ein modulares System übersetzt. Inhaltliche Ebenen Ein Fokus liegt auf der Geschichte des Ortes und den Visionen, die sich daraus ergeben. Die Studierenden recherchieren die Interessen der verschiedenen Akteure und machen die unterschiedlichen Zeitschichten und Zukunftsentwürfe im Raum lesbar. Gestaltung als aktiver Beitrag zum Stadtbild Der Kurs verbindet Kommunikationsdesign mit räumlichem Denken und führt von der Recherche über das Konzept bis zum physischen Prototyp. Ziel ist es, Orientierung nicht nur als Wegweisung, sondern als Mittel zur Autonomie zu verstehen: Gute Gestaltung vermittelt Wissen darüber, was in der Stadt passiert, sie macht den Molkenmarkt in seiner Komplexität erfahrbar. english version: The Berlin Molkenmarkt – Wayfinding Between Visions of a City The Molkenmarkt is Berlin's oldest square and a site of radical transformation. Located in the immediate vicinity of the Nikolaiviertel, the area has been a symbol of the car-centric city since the 1960s. Today, this former traffic hub is one of the most interesting yet confusing construction sites in the city center. Currently dominated by archaeological excavations, a new urban quarter is set to emerge here in the coming years. Its final form is a subject of intense debate, caught between a desire for historical reconstruction and progressive social and ecological visions for the future. In this course, students will develop a concept for an analogue wayfinding system for this space in transition. We will ask: What is visible on-site? What can only be understood through Information? And how does design influence our perception of the city? Analysis, Concept, and Spatial Strategy The foundation of the design is on-site analysis. Surrounding area, paths, sightlines, places to linger, and decision points are examined and translated into a modular system. Thematic Layers A key focus lies on the history of the site and the resulting visions for its future. Students will research the interests of various stakeholders, making the different temporal layers and future designs legible within the space. Design as an Active Contribution to the Urban Landscape The course combines communication design with spatial thinking, leading from research and concept development to physical prototypes. The goal is to understand wayfinding not merely as "pointing the way," but as a means of autonomy: good design conveys knowledge about what is happening in the city and makes the complexity of the Molkenmarkt tangible. |