Thema Gruppe A: „Konjunkturanalyse und Konjunkturprognose in Theorie und Praxis“
Dozentin: Prof. Dr. Ferdinand Fichtner
Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Trumps Zollpolitik und zuletzt der Nahost-Konflikt haben auch in Deutschland massive Produktionsschwankungen ausgelöst. Im laufenden Sommerhalbjahr befindet sich die Wirtschaft auf einem nur zaghaften Erholungskurs: Die Finanzpolitik wirkt stützend, während ein neuer Energiepreisschock die Inflation antreibt und strukturelle Standortprobleme die Erholung bremsen. Welche Folgen hat dies für den Arbeitsmarkt, die Investitionstätigkeit oder die öffentlichen Finanzen – und wie wird die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Quartalen aussehen? Was hat außerdem die Wirtschaftspolitik getan und sollte sie künftig tun, um die ökonomischen Auswirkungen von Krisen zu mindern?
Ein Verständnis für und Kenntnisse über gesamtwirtschaftlich-konjunkturelle Entwicklungen sind eine entscheidende Grundlage für die Bewertung wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Dieser Kurs vermittelt den Studierenden die theoretischen und methodischen Grundlagen der Konjunkturanalyse und -prognose und gibt Einblicke in die Praxis. Neben einem Überblick über die in der Öffentlichkeit und Wissenschaft verwendeten einschlägigen Indikatoren und Datenquellen werden aktuelle Konjunkturprognosen analysiert und diskutiert.
In einem Praxisteil erstellen die Studierenden in Projektteams eine eigene Prognose für dieses und kommendes Jahr, die im Rahmen einer Blockveranstaltung in Präsentationen vorgestellt wird. In diesem Zusammenhang werden auch ein Verständnis für die methodischen und praktischen Probleme der Prognosearbeit vermittelt sowie einfache makroökonomische Prognosemodelle praktisch angewandt.
Thema Gruppe B: „Nationale und europäische Wirtschaftspolitik: Aktuelle Herausforderungen im Lichte multipler Krisen“
Dozent: Dr. Wolfgang Merz, International Economist and Policy Advisor (früher Referatsleiter im Bundesministerium der Finanzen)
Die nationale und europäische Wirtschaftspolitik war und ist mit vielen verschiedener Krisen in rascher Folge konfrontiert, wie Klimaerwärmung, Covid-Krise, Ukraine- und Iran-Krieg, geopolitischen Verwerfungen und der Schwierigkeit, Reformen auch umzusetzen. Einerseits verzeichnet die deutsche Volkswirtschaft eine anhaltenden Wachstumsschwäche, Europa selbst ist konfrontiert mit einem sich verschärfenden Wettbewerb mit den USA und China. Exemplarisch werden folgende Themenfelder (Liste ist anpassungsfähig) bearbeitet mit einer nationalen und europäischen Komponente:
- Binnenmarkt/Wettbewerbsfähigkeit (Binnenmarkt-/Standortpolitik; Letta/Draghi Bericht)
- Wachstumsorientierung der öffentlichen Haushalte (Bundeshaushalt; Verhandlungen zum Mittelfristigen Finanzrahmen)
- Umwelt- und Klimapolitik (Nationaler Klimaplan; Green Deal)
- Reform des Rentensystems (Vorschläge der Reformkommission; Ageing Report)
- Bürokratieabbau (Vorhaben Bundesregierung; Omnibus-Verfahren der Europäischen Kommission)
- Sozialpolitik (Reform des nationalen Sozialstaats; Europäische Sozialagenda)
- Migrationspolitik (nationale Vorhaben; Europäisches Asylsystem)
- Verteidigung (Sondervermögen Verteidigung; Europäische Verteidigungsarchitektur)
Ziel: Praxisnah sollen makroökonomische Zusammenhänge und Kenntnisse der wirtschafts- und finanzpolitischen Steuerung vertieft werden. Das Zusammenspiel zwischen nationalen und europäischen Dossiers soll ebenso besser verstanden werden. Institutionell sollen Einblicke dafür gegeben werden, wie das nationale Entscheiden und Handeln (Ministerien; Kanzleramt; Parlament) vonstatten geht und wie die Verhandlungen in Brüssel zu EU-Dossiers (Kommission-Rat-Europäisches Parlament) zu Ergebnissen führen oder ob es zu Blockaden kommt.
Methode: Die Dossiers sollen jeweils empirisch mit Daten unterlegt werden. Auch können regierungsamtliche Positionierungen, Dokumente der Europäischen Kommission und relevante Gutachten von „think tanks“ hinzugezogen werden. All dies ist auch eine Grundlage für Präsentationen und Hausarbeiten der Studierenden.
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